Leitzinserhöhung der SNB

Die derzeitige hohe Inflation bewegt Zentralbanken weltweit dazu, die Leitzinsen zu erhöhen, um die Inflationsrate niedrigzuhalten. Jüngst ist nun die SNB (Schweizerische Nationalbank) nachgezogen. Was das für die Schweizerische Wirtschaft und Investoren bedeutet, wollen wir uns in diesem Artikel näher anschauen.

Leitszinserhöhung

Wozu dient die Zinserhöhung?

Probates Mittel gegen eine steigende Inflation waren seit jeher Zinserhöhungen. Höhere Zinsen führen dazu, dass Unternehmen und Privatleute mehr dafür bezahlen müssen, wenn sie einen Kredit aufnehmen wollen.

Das schwächt die Investitionsbereitschaft in Unternehmen ab, denn Investitionen werden durch steigende Zinsen teurer. Die Konsequenz ist, dass das Wirtschaftswachstum gebremst wird und dadurch auch der Konsum zurückgeht. Die Folge: Die Inflation wird verlangsamt und die Preise fangen mit der Zeit an, wieder zu stagnieren oder gehen sogar zurück. Als gesunde Inflationsrate wird ein Wert von 2% gesehen. Mit derzeit 2,9% in der Schweiz liegt demnach eine erhöhte Inflation vor. In anderen Ländern in Europa und in den USA liegt die Inflation sogar zwischen 7% und 9%.

Da seit Jahresanfang, insbesondere seit März, als Russland die Ukraine angegriffen hat, die Inflationsraten weltweit ungebremst steigen, versuchen die Zentralbanken per Leitzinserhöhungen die Inflation zu bremsen. Eine der ersten Banken, die ihren Leitzins erhöht hat, war die amerikanische FED; die Bank of England und weitere Zentralbanken sind schnell nachgezogen.

Jüngst hat auch die EZB (Europäische Zentralbank) Anfang Juni 2022 angekündigt, den Leitzins von 0 auf 0,25% anheben zu wollen – die erste Erhöhung seit dem Jahr 2011. Der EZB-Leitzins soll im Juli erhöht werden.

Nicht ganz so viel Zeit wollte sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) lassen. Diese hat nur wenige Tage nach Ankündigung der EZB den Leitzins schon erhöht von -0,75% auf -0,25%. Die Steigerung ist also deutlich höher als die EZB-Leitzinserhöhung. Die Zinsen liegen jedoch immer noch im negativen Bereich, was bedeutet, dass Banken, die Geld bei der SNB einlagern, Strafzinsen dafür bezahlen müssen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass noch weitere Erhöhungen folgen könnten, sofern die Zielinflation von 2% nicht wieder erreicht wird.

Was bedeutet die Zinserhöhung der SNB für Anleger?

Börsengeschäfte weniger lukrativ

Da steigende Zinsen das Wirtschaftswachstum und somit die Investitionsfreude bei Unternehmen bremsen, wirken sie sich negativ auf den Börsenmarkt aus. Nach Ankündigung der Zinserhöhung sackte die Schweizer Börse ab; der SMI verlor zeitweise bis zu 2,8% an Wert. Auch der DAX in Deutschland blieb davon nicht unberührt. Dieser sackte um 2,5% ab.

Anleger an der Börse sehen nun eher gedämpften Zeiten entgegen, da das Wirtschaftswachstum gebremst wird und Investitionen sich für Unternehmen weniger lohnen, weil die Zinsen für Darlehen teurer sind.

Sparer können sich freuen

Der Leitzins in der Schweiz ist zwar immer noch negativ, sollte es jedoch zu einer weiteren Zinserhöhung kommen, könnten Strafzinsen bald der Vergangenheit angehören.

Viele Banken bestrafen ihre Kunden nämlich mit Negativzinsen ab einem Maximalbetrag auf dem Bankkonto, da sie selbst die Negativzinsen bei der SNB bezahlen müssen. Drehen die Zinsen jedoch wieder ins Positive, gibt es keine Strafzinsen mehr, ganz gleich wie viel Geld man auf seinem Bankkonto hat.

Crowdlending im Aufwind

Auch wenn die Investitionsfreude bei Unternehmen durch steigende Zinsen im Moment gebremst ist, heisst das nicht, dass überhaupt nicht mehr investiert werden wird. Dort wo Investitionsbedarf besteht, muss er getätigt werden. Unternehmen werden dann ganz genau vergleichen, bei welchen Geldgebern sie die besten Konditionen erhalten werden.

Hier kann noch mehr Fahrt in das ohnehin schon sehr gut laufende Geschäft von Crowdlending-Plattformen kommen. Sie können Unternehmenskredite zu besseren Bedingungen als Banken anbieten und damit mehr Projekte ausschreiben. Das führt wiederum dazu, dass Crowdlending-Investoren eine breitere Auswahl an Projekten haben, in die sie investieren können.

Ein weiterer Vorteil für die Investoren ist, dass sie beim Crowdlending eine konstante Rendite erwirtschaften, was an der Börse momentan sehr schwer ist, da die Kurse derzeit sehr volatil sind und die Inflation das Wachstum bremst. Wer nun also gezielt in Unternehmen investiert, die ihre Investitionen nicht aufschieben können und einen Kredit benötigen, kann hier einen grossen Vorteil haben.

Inflation und Zinserhöhung: Wie geht es weiter?

Die SNB wird als Währungshüterin des Franken die Inflation weiterhin sehr gut im Auge behalten. Sollte der letzte Zinssprung von 0,5% nicht ausreichend sein, um die Inflation zu bremsen und wieder auf einen Wert von 2% zu drücken, ist nicht auszuschliessen, dass noch weitere Zinserhöhungen folgen werden.

Mit der letzten Zinserhöhung hat sich die SNB auch von den Entscheidungen der EZB wegbewegt. In den letzten Jahren war es nämlich immer so, dass die SNB auf die Leitzinserhöhungen der EZB reagiert hat und dann nachgezogen ist. Nun hat die SNB jedoch zum ersten Mal den Leitzins für den Franken zuerst erhöht und um einen höheren Prozentsatz als die EZB für den Euro geplant hat.

Als die EZB ihre Erhöhung für Juli im Juni ankündigte, rechnete in der Schweiz noch niemand damit, dass die SNB wenige Tage später ihren Leitzins anheben würde. Dieser Schritt wurde von Experten erst Ende des Jahres erwartet. Das macht es nun umso schwerer, abzuschätzen, wann und in welcher Höhe eine mögliche weitere Zinserhöhung kommen könnte.

Manche Unternehmen investieren deshalb jetzt schon frühzeitig, bevor ein möglicher nächster Zinssprung kommt, um sich schnell noch günstigere Konditionen zu sichern. Dennoch wird die Investitionsfreude bei Unternehmen tendenziell eher nachlassen.

Es werden vor allem solche Unternehmen in ihr Wachstum investieren, die es sich zu den derzeitigen Bedingungen leisten können und wenn sie trotz Konsumrückgang eine konstant hohe Kundennachfrage zu verzeichnen haben. Anleger, die gezielt in solche Unternehmen investieren, werden dann die Nutzniesser dieser derzeit eher angespannten und turbulenten Wirtschaftslage sein.

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